Carolin Lindinger und Lars Ehm im Dialog
Carolin Lindinger und Lars Ehm im Dialog über die notwenige Verzahnung von Wohnungsbau und Sozialpolitik
Sektorengrenzen aufbrechen, um praxistaugliche Modellvorhaben jenseits starrer Förderlogiken zu ermöglichen: Mit diesem Appell wandte sich Caritas-Vorständin Carolin Lindinger an die Bundespolitik. Ziel ist es, durch eine engere Verzahnung von Wohnen und Sozialem den Sozialstaat langfristig finanzierbar und bezahlbar zu halten.
„Finanzielle Möglichkeiten werden immer weniger, daher ist es wichtig, neue Wege zu finden, um Projekte finanzieren zu können.“ Aber wie lassen sich Wohnen, Prävention und Unterstützungsmöglichkeiten künftig besser miteinander verbinden? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Austauschs zwischen Carolin Lindinger, Vorständin des Caritasverbandes Ostvest e. V., und dem CDU-Bundestagsabgeordneten Lars Ehm in Oer-Erkenschwick.
Einigkeit bestand darin, dass die bisherige Trennlinie zwischen Wohnungsbau und sozialer Versorgung den heutigen Lebensrealitäten immer weniger gerecht werde. „Menschen wollen so lange wie möglich selbstbestimmt in ihrem vertrauten Umfeld leben. Dafür brauchen wir Quartiere, in denen bezahlbarer Wohnraum und soziale Infrastruktur von Anfang an zusammengedacht werden“, betonte Lindinger. Entscheidend sei es, starre Sektorengrenzen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung sowie dem klassischen Wohnungsbau aufzubrechen. Durch solche Modellvorhaben, die einen klaren Fokus auf Prävention legen, lassen sich Folgekosten in der Behandlung oder durch Krankenhausaufenthalte effektiv vermeiden.
Nach Ansicht des Caritasverbandes lassen sich innovative Quartiersmodelle nur dann nachhaltig umsetzen, wenn Bau-, Sozial- und Finanzierungslogiken enger verzahnt werden. Bezahlbarer Wohnraum werde damit zu einem zentralen Baustein, um Lebensqualität im Alter zu sichern und zugleich die Sozialsysteme langfristig zu entlasten.
Lars Ehm, Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales und Bundestagsabgeordneter für die Region Marl, Datteln, Haltern am See, Herten und Oer-Erkenschwick, begrüßte den fachlichen Austausch. Er zeigte sich offen für Impulse, die Bau-, Haushalts- und Sozialpolitik stärker miteinander verbinden. Ziel müsse es sein, Rahmenbedingungen zu schaffen, die es sozialen Trägern erleichtern, Wohnen und soziale Angebote als Einheit zu planen und bezahlbar zu machen.
Zum Abschluss unterstrich Carolin Lindinger, dass es bei der Überwindung von Zuständigkeitsgrenzen nicht um strukturelle Reformen um ihrer selbst willen gehe. „Nur wenn Finanzierungssysteme von Wohnungsbau und Sozialwesen ineinandergreifen, können soziale Träger ihre Angebote zukunftsfest aufstellen und passgenau auf die Bedürfnisse der Menschen reagieren.“ Dazu bedarf es jedoch entsprechender Rahmenbedingungen im Wohnungsbau, die gezielt Betreutes Wohnen und Quartiersansätze fördern. Ein besonderes Augenmerk müsse dabei auf einer integrierten Finanzierungslogik liegen, die Investitionen in den Wohnraum und die soziale Begleitung nicht länger getrennt voneinander betrachtet.
Beide Seiten vereinbarten, den Dialog fortzuführen und den Austausch zum Kernthema Wohnungsbau, soziale Infrastruktur und Pflege weiter zu vertiefen - Bereiche, die politisch derzeit oft noch getrennt betrachtet werden, in der Lebensrealität der Menschen jedoch untrennbar zusammengehören.